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Presidente Lucena + Nova Petrópolis

Am 28. Oktober wurde ich von Roane und Ellio zum Mittagessen eingeladen. Roane arbeitet auch im Kindergarten – allerdings nur morgens und so sehen wir uns selten. Ich schätze die beiden auf etwa 55 Jahre und sie haben auch schon zwei erwachsene Kinder – Felipe und Sinara. Felipe ist Tierarzt und hat eine kleine Tierklinik in Sapiranga, während Sinara als Designerin in der Schuhbranche (und die ist in dieser Region sehr ausgeprägt) arbeitet.

Roane rief mich als diesem Sonntag also spontan an und lud mich zum Essen ein. Vollkommen überrascht, habe ich mich schnell in Schale geschmissen und wurde kurz darauf abgeholt. Lustigerweise hatte ich die Kamera nicht im Gepäck, sodass wir kurz vor Novo Hamburgo noch einmal umgedreht sind, um sie zu holen. (Woher sollte ich denn auch wissen, dass das eine große Tour wird?!)

Dann endlich ging es richtig los – durch die Berge nach Presidente Lucena, eine kleine Stadt mitten im Tal. Und wie sollte es anders sein, gingen wir ins „Dheinhaus“, ein deutsches Restaurant. Schon von weitem hörte man eine kleine Band mit Blechblasinstrumenten Volksmusik spielen und überall hingen kleine deutsche Flaggen. Typisch für Brasilien, gab es auch hier Buffet, allerdings waren die „deutschesten“ Beilagen nur das Sauerkraut und Spätzle. Man kann sich das so vorstellen: Die deutschen Immigranten kam vor gut 150 Jahren nach Brasilien und seitdem hat sich an der damaligen Kultur nicht viel geändert – „deutsch“ sind hier eingelegte Eier, Radieschen (stinken erbärmlich) und Gurken, gekochter Rindermagen bzw. -darm und trockener Kuchen („cuca&ldquo

So ist zum Beispiel der Kühlschrank ein „Eisschrank“ und das Flugzeug ein „Luftschiff“. Immerhin wurden Kühlschränke und Flugzeuge ja auch erst nach der Auswanderung nach Brasilien erfunden – und so musste die deutschen Auswanderer sich erstmal neue Wörter für diese Dinge ausdenken.

Das Essen war wirklich sehr lecker – ich glaube, ich habe das ganze Sauerkraut und Spätzle ganz allein geplündert… Zum Nachtisch gab es allerdings wieder etwas ganz Brasilianisches – Sago, gekocht in Wein mit Vanille-Sauce. Ich habe mir vorgenommen diese Süßspeise mehr in Deutschland zu verbreiten. Ich finde, dass man wirklich etwas verpasst hat, wenn man das nicht kennt!     

Im Restaurant hörte man aus allen Richtungen jemanden Deutsch sprechen – allerdings wie überall mit einem gewöhnungsbedürftigen „Hunsrück-Dialekt“.

Nachdem wir fertig waren, gab es eine Rundfahrt durch Presidente Lucena – wie immer, um sich alte deutsche Häuser anzuschauen. Die Häuser waren allesamt Fachwerkhäuser und schon mindestens 120 Jahre alt. Grundsätzlich wird hier versucht, diese Häuser zu schützen und restaurieren, aber oft fehlt einfach das Geld.

Danach ging es noch tiefer in Berge nach Nova Petrópolis, auch eine von Immigranten gegründete Stadt. In dieser Stadt gibt es einen "Einwanderer-Park" - einen großes Gelände, auf dem viele gut erhaltene Fachwerkhäuser stehen, die von den deutschen Immigranten gebaut wurden. Dazu gab es noch einen Handarbeitsmarkt und viele Ausstellungen mit Gegenständen der damaligen Zeit. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie die deutschen Einwanderer vor 150 Jahren hier im Süden Brasiliens angekommen sind, tief hinein in die Berge wanderten und dort ihre Häuschen bauten. Immerhin gab es zu dieser Zeit noch gar keine Straßen. Die Fachwerkhäuser könnten auch in Deutschland stehen und keiner würde merken, dass sie in Brasilien gebaut wurden.

Und wieder einmal war ich auf der Suche nach deutschen Spuren im Süden Brasilien..

Ha, aber wer glaubt, ich würde mich damit zufrieden geben, der hat sich getäuscht! Morgen abend fliege ich für drei Tage nach Salvador da Bahia und anschließend bleibe ich 5 Tage in Belo Horizonte! Beides Städte weiter nördlich und somit wenig angehaucht vom europäischen Einfluss. Endlich werde ich das Brasilien kennenlernen, wie ich es mir vorgestellt habe...

Tut mir übrigens wirklich sehr Leid, dass ich so unregelmäßig und selten in meinen Blog schreibe. Der Bericht über Uruguay wird noch beendet und danach kommen noch weitere Einträge hinzu. Spätestens, wenn ich aus Belo Horizonte wieder da bin...

Ich sende euch die sonnigsten Grüße,

eure Karina

15.11.07 00:35

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