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Uruguay

Huhu ihr Lieben!

Nach Ewigkeiten komme ich endlich mal wieder dazu, etwas in meinen Blog zu schreiben.

Ich war vor kurzem 4 Tage in Uruguay - ich habe ja schon in einem früheren Eintrag davon berichtet, dass ich vor habe mit der Feevale nach Uruguay zu fahren.

Wir sind am 11.Oktober abends um halb11 von Novo Hamburgo losgefahren - so einen komfortablen Bus habe ich selbst in Deutschland noch nicht gesehen. Zwischen den Sitzen war so viel Platz - man konnte fast richtig liegen. Nachdem wir etwa 8 Stunden gefahren sind, waren wir in Chuy und haben dort Frühstück bekommen. Logischweise gab es Dorade (= gebackenes Brot mit Käse und Schinken) und Kaffee; das bekommt man hier eigentlich so gut wie überall. Immer noch müde von der hinter uns liegenden Nachtfahrt, ging es weiter nach Punta del Este, eine Touristenstadt ganz im Süden von Uruguay. Wunderschön am Meer gelegen, gibt es dort viele schöne und teure Hotels, Apartments, Seebäder etc. Das Wetter war leider viel zu schlecht, um das Ganze richtig geniessen zu können. In Punta del Este haben wir dann auch Mittag gegessen. Unglaublich was für Berge an Essen man in Uruguay bekommt. Da legt man nicht alles nebeneinander auf den Teller, sondern einfach aufeinander.

Mit einem Tourguide haben wir die Stadt erkundet, haben durch die mit Regentropfen besprenkelten Fenster leider kaum etwas gesehen, und sind anschliessend in einem 5-Stern-Hotel abgesteigen, um mal zu sehen, wie wohl die Society in Uruguay ihren Urlaub verbringt. Es gab ein Casino und eine Hall of Fame (unter anderem mit Bilder von Juanes oder auch Shakira). Mich hat das ganze jetzt nicht so vom Hocker gehauen - ich frage mich, warum man sich wohl ein Hotel und ein Casino in seinem Urlaub anguckt. Aber gut, es war ja eine "Studienreise"..

Danach sind wir weiter nach Montevideo zum Staatspalast gefahren. Ein wunderschönes Gebäude, erinnert fast an ein Schloss. Die Inneneinrichtung besteht hauptsächlich aus Marmor, die Räume sind schön und edel eingerichtet. Wir haben den Saal der Senatoren, der Abgeordneten und auch die Staatsbibliothek besucht - schick, schick. Überall waren Gemälde von Offizieren und Männern in Uniformen. Eigentlich kann man sich das so vorstellen, dass das Militär eine sehr wichtige Stellung in Uruguay einnimmt. Vieles ist auf General Artigas ausgerichtet, sozusagen "Der Befreier der Nation" im Unabhängigkeitskampf. Man findet überall Gemälde, Statuen und auch unzählige Strassen und Plätze sind nach ihm benannt. Mitten in der Altstadt gibt des den "Placa de la Independencia" (=Platz der Unabhängigkeit), unter der man eine Gruft besuchen kann, in der die Überreste Artigas in einer Urne liegen und sein Lebensweg an den Wänden beschrieben ist. Komische Sache...

Danach ging es ab ins Hotel. Wir haben all unsere Koffer auf unsere Zimmer gebracht, alles nötige geregelt und sind anschliessend auf Entdeckungstour gegangen. Ich war die meiste Zeit mit Daniela, Pretinho (=Schwarzerchen) und Pamela (meiner Zimmernachbarin) zusammen, aber im Laufe der Zeit hat man sich wirklich mit allen angefreundet. Ich habe mit dem Grossteil der Teilnehmer auch jetzt noch guten Kontakt per E-mail und Handy.

Naja, ich schweife ab,... auf jeden Fall bin ich gleich erstmal in einen Buchladen gestürmt. Ich meine, wo ein grosses Schild mit "50% Rabbat" zu sehen ist, da bin auch ich zu finden, gelle? Da habe ich mir dann gleich erstmal zwei spanische Bücher gekauft, wobei ich allerdings grosse Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Verkäufer zu verständigen, weil mein Spanisch einfach total durcheinander ist. Ich spreche im Moment eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch. Um wirklich nur eine Sprache zu sprechen, muss ich mich unheimlich anstrengen. Ich werde das einfach mal trainieren müssen - ich meine, sieben Jahre Spanischunterricht können ja nicht einfach davon geflogen sein, oder?

Am Abend waren wir alle ganz schön müde - ich bin aufs Zimmer gegangen und habe den Fernseher voll ausgenutzt - Navy CIS, Friends, King of Queens, MTV... und alles auf Englisch mit spanischen Untertiteln. Hui, das hat echt Spass gemacht und Gibbs ist ja noch viel sexier, wenn er Englisch spricht, Mama!!! 

Am nächsten Morgen sind wir um halb8 aufgestanden - das Frühstück war wirklich gut, ich konnte mich zumindest nicht beschweren... aaaaallerdings... *g* .. sind die Brötchen aus Deutschland einfach schlicht und ergreifend nicht so toppen... Wir haben unsere Rundfahrt durch Montevideo gestartet und haben zunächst den Handwerksmarkt (Artesanato) und die Rambla besucht. Viel Handwerkliches hat man dort allerdings nicht gefunden – dafür Fische, Frösche, Kleidung, Schuhe und Spielzeug. Danach ging es weiter zum alten Teil von Montevideo, der sogenannten „Ciudad Vieja“. Mittelpunkt ist der „Plaza da la Independencia“, unter dem die Überreste von General Artigas liegen (siehe oben). Von dort haben wir die umliegenden Straßen und Gebäude erkundet, wobei es mich gleich in einen CD-Laden in einer kleinen Ecke verschlug, wo ich doch gleich einmal eine CD kaufen musste – natürlich uruguayanischer Tango… Auf einem kleinen Platz neben der Kirche „Matriz“, dem ersten öffentlichen Gebäude, das in Montevideo gebaut wurde, war ein kleiner Flohmarkt, auf dem die Leute alte, sehr interessante Sachen verkauften.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Mittagessen zum „Mercado del Puerto“, eine riesige Markthalle mit vielen Restaurants und kleinen Läden. Das Gebäude hat kolonialistischen Stil – inmitten der Halle steht eine große Uhr, wie man sie eigentlich nur aus England kennt. Überall sieht man Köche vor ihren großen Grillen stehen – sie machen „Parrilla“ – und alles duftet wunderbar nach Essen. Durch die Menschenmassen, dem Feuer für den Grill und den vielen Restaurants herrscht eine schwere, warme Luft in der Halle – was Daniela, Julianna, Pretinho, Pamela und mich aber nicht davon abhält und auf die Suche nach einem guten Restaurant zu machen… Tja, und wie das einmal so sein muss, sind wir ausgerechnet an das wahrscheinlich Schlechteste geraten… Glücklichweise kenne ich mich inzwischen schon gut genug, was fremdes, unbekanntes Essen angeht und ich bestellte einfach ein paar Nudeln, während die anderen vier sich auf die „Spezialität des Hauses“ einließen… mehrere Sorten Fleisch in einer Pfanne ohne nichts… einfach nur Fleisch. Wir alle hatten das Gefühl, da müsste eigentlich etwas schief gelaufen sein, denn die Kellnerin, die die Gäste ins Restaurant lockte, hatte doch etwas von Gemüse und Kartoffeln gesagt… naja, da haben sie sich eben noch einen Teller Kartoffelbrei bestellt – ein Häufchen vielleicht! Aber wie gesagt, mir haben meine Tortellinis á la Carbonara geschmeckt… J

Vor der Markthalle fand ein kleiner Markt statt, auf dem auch einige Straßenkünstler versammelt waren. Und so kam es, dass ich doch glatt die erste halbnackte Sambatänzerin in Uruguay und nicht in Brasilien gesehen habe!!!

Am Nachmittag haben wir mit unserem Tourguide weitere Stadtteile und sehenswerte Orte von Montevideo erkundet. Unter anderem eine große Allee gesäumt von Palmen, um die sich Sage hegt, dass dort nachts die Prostituierten auf ihre Freier warten würden und das jede Prostituierte ihre eigene Palme hätte. Nun, aber es wurde betont, nur eine Sage!

Später fuhren wir in das berühmte Einkaufszentrum „Punta Carretas“, wo grundsätzlich alles gefühlte 20% teurer ist… Das einzige, was wir uns leisten konnten, war ein Eis und so kam es, dass wir relativ schnell wieder zum Bus gegangen sind, um dort auf die anderen zu warten. Es ist immer wieder interessant und schockierend, den großen Unterschied zwischen Arm und Reich zu sehen. Das Einkaufszentrum ist wunderschön gestaltet, sehr modern, überall glänzend und sauber und wenn man es verlässt, sieht man arme Menschen vor heruntergekommen Gebäuden sitzen…

Am Abend hatten wir kein Programm und wir haben uns um 21Uhr in einer größeren Gruppe in der Hotellobby getroffen, um in ein Restaurant zu gehen. Viele sind nach dem Essen schon zum Hotel zurückgekehrt, aber ich fuhr noch mit Daniel, Morgana und Daniela mit dem Taxi zur „Cuidad Vieja“, wo die meisten Bars und Discos zu finden sind. Wir gingen in eine Disco, die von außen recht spannend aussah. Der Eintritt lag bei 70 Pesos (~ 1€ = 30 Peso), wobei 40 Pesos für ein Getränk zur Verfügung standen. Komischerweise waren inmitten der Tanzfläche viele Tische aufgebaut – dabei war es schon 23Uhr. Wir stellten fest, dass die Disco inkl. Musik selbst erst um halb2 morgens anfangen sollte, bis dahin war die Disco nur ein Restaurant. Da wir schon gegessen hatten, entschieden wir, erst einmal in eine Bar zu gehen und danach wieder zu kommen. Wir machten uns auf die Suche und glücklicherweise trafen wir unterwegs einen großen Teil unserer Gruppe in einer Bar sitzen und gesellten uns dazu. Die anderen entschieden, mit uns in die Disco zu gehen und es wurde eine wirklich witzige Nacht. Wenn wir nicht am nächsten Morgen um halb8 hätten aufstehen müssen, wären wir sicherlich noch länger als halb4 geblieben…

Am nächsten Morgen ging es nach Colonia del Sacramento. Diese Stadt liegt etwa 2 Stunden Busfahrt von Montevideo entfernt. Kennzeichnend ist die Bundesstraße, die nach Colonia führt – sie ist gesäumt von vielen hunderten Palmen. Mitten in der Pampa - ein paar Kilometer vor der Stadt - haben wir eine Ranch besucht. Der Inhaber dieser Ranch besitzt die größte Bleistiftsammlung auf der ganzen Welt, womit er auch ins Guinessbuch der Rekorde gekommen ist. Interessanterweise scheint die ganze Familie dem „Sammelwahn“ verfallen zu sein und so konnte man in dem kleinen Museum nicht nur Bleistifte finden, sondern auch Schlüsselanhänger, Parfumflakons, Blechdosen… Wir aßen Mittag auf der Ranch, also praktisch an der Quelle für gutes Fleisch, und schauten uns danach noch die Umgebung an. Es schien als wäre die Ranch das einzige Gebäude in den Weiten der Pampas und die Landschaft strahlte eine sehr angenehme Ruhe aus. Es war schön, sich einfach mal ins Gras zu setzen, still zu sein und den leichten Wind auf der Haut zu spüren. Leider, wie es meistens bei Gruppenreisen ist, waren die Termine immer sehr eng gesteckt und es ging relativ schnell weiter.

Nun ging es weiter ins Zentrum von Colonia. Colonia wurde in Zeiten der Kolonisation abwechselnd von Spaniern und Portugiesen „hin- und hererobert“, sodass man dort viele Kennzeichen beider Kulturen findet. So sind einige Häuser beispielsweise teils spanisch, teils portugiesisch. Man konnte genau sehen, in welcher Epoche welches Volk wohlhabender war.  Die Straßen waren allesamt mit uralten Steinen gepflastert und man hatte manchmal den Eindruck, man wäre im Mittelalter gelandet – zumal dann auch noch eine Brigade zum Schutz der Stadtmauer durch die Straßen marschierte. Wir erkundeten zu Fuß zusammen mit unserem Tourguide die Innenstadt und wichtige, interessante Gebäude. Wir haben uns von der großen Gruppe abgesetzt, sind an der Küste spazieren gegangen und haben anschließend der Leuchtturm erklommen. Von dort aus hatte man einen wunderschönen Blick über ganz Colonia. Ich muss jetzt einfach doch noch einmal anmerken, dass wir einfach riesiges Glück mit dem Wetter hatten. Während wir in Colonia waren, war es zwar frisch und ein bisschen windig, aber die Sonne hat die ganze Zeit geschienen (müsste man auf den Bildern eigentlich sehen). Wir schlenderten in Richtung Bus und setzen uns dort noch ein bisschen an den Strand, bis es dann wieder nach Montevideo ins Hotel ging.

Abends waren wir mit der ganzen Gruppe in einem Restaurant zum sogenannten „Pizza-Rodizio“. Statt mit verschiedenen Sorten Fleisch am Spieß kommt der Kellner einfach mit verschiedenen Pizzen und man kann sich die Sorten auftischen lassen, die man gerne hätte. Wir saßen bis um halb2 morgens im Restaurant und ließen unseren Ausflug nach Uruguay, der für alle viel zu kurz war, noch einmal Revue passieren…

Am nächsten Morgen sind wir wohl alle mit Kopfschmerzen aufgewacht – der eine mehr, der andere weniger…. Es ging schon um halb7 los in Richtung Chuy – eine Stadt direkt auf der Grenze zwischen Brasilien und Uruguay. Nach knapp 5 Stunden Fahrt sind wir dort angekommen. Was Chuy so besonders macht? Dort gibt es Unmengen an „Free Shops“, Läden, in denen man keine Steuern auf Waren bezahlt. Ich habe mir einen JanSport Rucksack für 15€ gekauft und eine Sonnenbrille. Was mich allerdings wirklich gereizt hat – und nun haltet euch fest - war der Amarula, der 5€ die 1 Liter Flasche gekostet hat. Das einzige, was mich davon abhielt, gleich zwei Kisten zu kaufen, war die Tatsache, dass ich das alles einfach nicht mit nach Deutschland transportieren kann… Nachdem wirklich alle mit hunderten Einkaufstüten zum Bus zurückgekehrt waren, aßen wir auf der brasilianischen Seiten Chuys in einem Restaurant zum Mittag und fuhren anschließend zurück nach Novo Hamburgo. Leider kam es während der Rückfahrt noch zu einem Zwischenfall – eine der Mitreisenden hatte extremen Bluthochdruck, ist auf der Toilette in der Raststätte umgefallen und musste ins Krankenhaus. Dort bekam sie eine Infusion und wurde, soweit es eben möglich war, stabilisiert. Und so kam es, dass wir zwei Stunden später, nämlich nachts um halb1, in Novo Hamburgo angekamen als geplant. Glücklicherweise wohnte eine der Mitreisenden (nämlich Rejane) auch in Sapiranga und so hat sie mich nach Hause gebracht.

Rückblickend muss ich einfach sagen, dass dieser Kurztrip nach Uruguay unheimlich toll war und sich mächtig gelohnt hat. Uruguay ist ein wunderschönes Land, dessen Landschaften weit und frei wirken. Montevideo selbst strahlt ein angenehmes Flair mit seinen kolonialistischen Elementen aus und hat mir persönlich ein Gefühl von Sicherheit gegeben.

Ich habe die ganze Zeit nur Portugiesisch gesprochen, da kein anderer sonst Deutsch konnte. Wer sich jetzt allerdings fragt „He, in Uruguay spricht man doch Spanisch – warum hat sie kein Spanisch gesprochen?“, dem muss ich sagen, ich habe es versucht, aber es kam einfach immer nur „porteñol“ aus meinem Mund – eine Mischung aus „português“ und „español“. Ich bin mir sicher, dass mir das dennoch auf sprachlicher Ebene sehr viel gebracht hat. Ich habe mit fast allen Mitreisenden Freundschaft geschlossen – immerhin lag der Altersdurchschnitt zwischen 18 und 53. Ich freue mich schon auf das Nachtreffen, auf dem ich alle wiedersehe und wir die Bilder austauschen können.

Montevideo

Promenade

Ciudad Vieja 

 

Colônia

 

Auf einer Farm mitten in der Pampa

Promenade

14.11.07 20:54

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