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Uruguay

Huhu ihr Lieben!

Nach Ewigkeiten komme ich endlich mal wieder dazu, etwas in meinen Blog zu schreiben.

Ich war vor kurzem 4 Tage in Uruguay - ich habe ja schon in einem früheren Eintrag davon berichtet, dass ich vor habe mit der Feevale nach Uruguay zu fahren.

Wir sind am 11.Oktober abends um halb11 von Novo Hamburgo losgefahren - so einen komfortablen Bus habe ich selbst in Deutschland noch nicht gesehen. Zwischen den Sitzen war so viel Platz - man konnte fast richtig liegen. Nachdem wir etwa 8 Stunden gefahren sind, waren wir in Chuy und haben dort Frühstück bekommen. Logischweise gab es Dorade (= gebackenes Brot mit Käse und Schinken) und Kaffee; das bekommt man hier eigentlich so gut wie überall. Immer noch müde von der hinter uns liegenden Nachtfahrt, ging es weiter nach Punta del Este, eine Touristenstadt ganz im Süden von Uruguay. Wunderschön am Meer gelegen, gibt es dort viele schöne und teure Hotels, Apartments, Seebäder etc. Das Wetter war leider viel zu schlecht, um das Ganze richtig geniessen zu können. In Punta del Este haben wir dann auch Mittag gegessen. Unglaublich was für Berge an Essen man in Uruguay bekommt. Da legt man nicht alles nebeneinander auf den Teller, sondern einfach aufeinander.

Mit einem Tourguide haben wir die Stadt erkundet, haben durch die mit Regentropfen besprenkelten Fenster leider kaum etwas gesehen, und sind anschliessend in einem 5-Stern-Hotel abgesteigen, um mal zu sehen, wie wohl die Society in Uruguay ihren Urlaub verbringt. Es gab ein Casino und eine Hall of Fame (unter anderem mit Bilder von Juanes oder auch Shakira). Mich hat das ganze jetzt nicht so vom Hocker gehauen - ich frage mich, warum man sich wohl ein Hotel und ein Casino in seinem Urlaub anguckt. Aber gut, es war ja eine "Studienreise"..

Danach sind wir weiter nach Montevideo zum Staatspalast gefahren. Ein wunderschönes Gebäude, erinnert fast an ein Schloss. Die Inneneinrichtung besteht hauptsächlich aus Marmor, die Räume sind schön und edel eingerichtet. Wir haben den Saal der Senatoren, der Abgeordneten und auch die Staatsbibliothek besucht - schick, schick. Überall waren Gemälde von Offizieren und Männern in Uniformen. Eigentlich kann man sich das so vorstellen, dass das Militär eine sehr wichtige Stellung in Uruguay einnimmt. Vieles ist auf General Artigas ausgerichtet, sozusagen "Der Befreier der Nation" im Unabhängigkeitskampf. Man findet überall Gemälde, Statuen und auch unzählige Strassen und Plätze sind nach ihm benannt. Mitten in der Altstadt gibt des den "Placa de la Independencia" (=Platz der Unabhängigkeit), unter der man eine Gruft besuchen kann, in der die Überreste Artigas in einer Urne liegen und sein Lebensweg an den Wänden beschrieben ist. Komische Sache...

Danach ging es ab ins Hotel. Wir haben all unsere Koffer auf unsere Zimmer gebracht, alles nötige geregelt und sind anschliessend auf Entdeckungstour gegangen. Ich war die meiste Zeit mit Daniela, Pretinho (=Schwarzerchen) und Pamela (meiner Zimmernachbarin) zusammen, aber im Laufe der Zeit hat man sich wirklich mit allen angefreundet. Ich habe mit dem Grossteil der Teilnehmer auch jetzt noch guten Kontakt per E-mail und Handy.

Naja, ich schweife ab,... auf jeden Fall bin ich gleich erstmal in einen Buchladen gestürmt. Ich meine, wo ein grosses Schild mit "50% Rabbat" zu sehen ist, da bin auch ich zu finden, gelle? Da habe ich mir dann gleich erstmal zwei spanische Bücher gekauft, wobei ich allerdings grosse Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Verkäufer zu verständigen, weil mein Spanisch einfach total durcheinander ist. Ich spreche im Moment eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch. Um wirklich nur eine Sprache zu sprechen, muss ich mich unheimlich anstrengen. Ich werde das einfach mal trainieren müssen - ich meine, sieben Jahre Spanischunterricht können ja nicht einfach davon geflogen sein, oder?

Am Abend waren wir alle ganz schön müde - ich bin aufs Zimmer gegangen und habe den Fernseher voll ausgenutzt - Navy CIS, Friends, King of Queens, MTV... und alles auf Englisch mit spanischen Untertiteln. Hui, das hat echt Spass gemacht und Gibbs ist ja noch viel sexier, wenn er Englisch spricht, Mama!!! 

Am nächsten Morgen sind wir um halb8 aufgestanden - das Frühstück war wirklich gut, ich konnte mich zumindest nicht beschweren... aaaaallerdings... *g* .. sind die Brötchen aus Deutschland einfach schlicht und ergreifend nicht so toppen... Wir haben unsere Rundfahrt durch Montevideo gestartet und haben zunächst den Handwerksmarkt (Artesanato) und die Rambla besucht. Viel Handwerkliches hat man dort allerdings nicht gefunden – dafür Fische, Frösche, Kleidung, Schuhe und Spielzeug. Danach ging es weiter zum alten Teil von Montevideo, der sogenannten „Ciudad Vieja“. Mittelpunkt ist der „Plaza da la Independencia“, unter dem die Überreste von General Artigas liegen (siehe oben). Von dort haben wir die umliegenden Straßen und Gebäude erkundet, wobei es mich gleich in einen CD-Laden in einer kleinen Ecke verschlug, wo ich doch gleich einmal eine CD kaufen musste – natürlich uruguayanischer Tango… Auf einem kleinen Platz neben der Kirche „Matriz“, dem ersten öffentlichen Gebäude, das in Montevideo gebaut wurde, war ein kleiner Flohmarkt, auf dem die Leute alte, sehr interessante Sachen verkauften.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Mittagessen zum „Mercado del Puerto“, eine riesige Markthalle mit vielen Restaurants und kleinen Läden. Das Gebäude hat kolonialistischen Stil – inmitten der Halle steht eine große Uhr, wie man sie eigentlich nur aus England kennt. Überall sieht man Köche vor ihren großen Grillen stehen – sie machen „Parrilla“ – und alles duftet wunderbar nach Essen. Durch die Menschenmassen, dem Feuer für den Grill und den vielen Restaurants herrscht eine schwere, warme Luft in der Halle – was Daniela, Julianna, Pretinho, Pamela und mich aber nicht davon abhält und auf die Suche nach einem guten Restaurant zu machen… Tja, und wie das einmal so sein muss, sind wir ausgerechnet an das wahrscheinlich Schlechteste geraten… Glücklichweise kenne ich mich inzwischen schon gut genug, was fremdes, unbekanntes Essen angeht und ich bestellte einfach ein paar Nudeln, während die anderen vier sich auf die „Spezialität des Hauses“ einließen… mehrere Sorten Fleisch in einer Pfanne ohne nichts… einfach nur Fleisch. Wir alle hatten das Gefühl, da müsste eigentlich etwas schief gelaufen sein, denn die Kellnerin, die die Gäste ins Restaurant lockte, hatte doch etwas von Gemüse und Kartoffeln gesagt… naja, da haben sie sich eben noch einen Teller Kartoffelbrei bestellt – ein Häufchen vielleicht! Aber wie gesagt, mir haben meine Tortellinis á la Carbonara geschmeckt… J

Vor der Markthalle fand ein kleiner Markt statt, auf dem auch einige Straßenkünstler versammelt waren. Und so kam es, dass ich doch glatt die erste halbnackte Sambatänzerin in Uruguay und nicht in Brasilien gesehen habe!!!

Am Nachmittag haben wir mit unserem Tourguide weitere Stadtteile und sehenswerte Orte von Montevideo erkundet. Unter anderem eine große Allee gesäumt von Palmen, um die sich Sage hegt, dass dort nachts die Prostituierten auf ihre Freier warten würden und das jede Prostituierte ihre eigene Palme hätte. Nun, aber es wurde betont, nur eine Sage!

Später fuhren wir in das berühmte Einkaufszentrum „Punta Carretas“, wo grundsätzlich alles gefühlte 20% teurer ist… Das einzige, was wir uns leisten konnten, war ein Eis und so kam es, dass wir relativ schnell wieder zum Bus gegangen sind, um dort auf die anderen zu warten. Es ist immer wieder interessant und schockierend, den großen Unterschied zwischen Arm und Reich zu sehen. Das Einkaufszentrum ist wunderschön gestaltet, sehr modern, überall glänzend und sauber und wenn man es verlässt, sieht man arme Menschen vor heruntergekommen Gebäuden sitzen…

Am Abend hatten wir kein Programm und wir haben uns um 21Uhr in einer größeren Gruppe in der Hotellobby getroffen, um in ein Restaurant zu gehen. Viele sind nach dem Essen schon zum Hotel zurückgekehrt, aber ich fuhr noch mit Daniel, Morgana und Daniela mit dem Taxi zur „Cuidad Vieja“, wo die meisten Bars und Discos zu finden sind. Wir gingen in eine Disco, die von außen recht spannend aussah. Der Eintritt lag bei 70 Pesos (~ 1€ = 30 Peso), wobei 40 Pesos für ein Getränk zur Verfügung standen. Komischerweise waren inmitten der Tanzfläche viele Tische aufgebaut – dabei war es schon 23Uhr. Wir stellten fest, dass die Disco inkl. Musik selbst erst um halb2 morgens anfangen sollte, bis dahin war die Disco nur ein Restaurant. Da wir schon gegessen hatten, entschieden wir, erst einmal in eine Bar zu gehen und danach wieder zu kommen. Wir machten uns auf die Suche und glücklicherweise trafen wir unterwegs einen großen Teil unserer Gruppe in einer Bar sitzen und gesellten uns dazu. Die anderen entschieden, mit uns in die Disco zu gehen und es wurde eine wirklich witzige Nacht. Wenn wir nicht am nächsten Morgen um halb8 hätten aufstehen müssen, wären wir sicherlich noch länger als halb4 geblieben…

Am nächsten Morgen ging es nach Colonia del Sacramento. Diese Stadt liegt etwa 2 Stunden Busfahrt von Montevideo entfernt. Kennzeichnend ist die Bundesstraße, die nach Colonia führt – sie ist gesäumt von vielen hunderten Palmen. Mitten in der Pampa - ein paar Kilometer vor der Stadt - haben wir eine Ranch besucht. Der Inhaber dieser Ranch besitzt die größte Bleistiftsammlung auf der ganzen Welt, womit er auch ins Guinessbuch der Rekorde gekommen ist. Interessanterweise scheint die ganze Familie dem „Sammelwahn“ verfallen zu sein und so konnte man in dem kleinen Museum nicht nur Bleistifte finden, sondern auch Schlüsselanhänger, Parfumflakons, Blechdosen… Wir aßen Mittag auf der Ranch, also praktisch an der Quelle für gutes Fleisch, und schauten uns danach noch die Umgebung an. Es schien als wäre die Ranch das einzige Gebäude in den Weiten der Pampas und die Landschaft strahlte eine sehr angenehme Ruhe aus. Es war schön, sich einfach mal ins Gras zu setzen, still zu sein und den leichten Wind auf der Haut zu spüren. Leider, wie es meistens bei Gruppenreisen ist, waren die Termine immer sehr eng gesteckt und es ging relativ schnell weiter.

Nun ging es weiter ins Zentrum von Colonia. Colonia wurde in Zeiten der Kolonisation abwechselnd von Spaniern und Portugiesen „hin- und hererobert“, sodass man dort viele Kennzeichen beider Kulturen findet. So sind einige Häuser beispielsweise teils spanisch, teils portugiesisch. Man konnte genau sehen, in welcher Epoche welches Volk wohlhabender war.  Die Straßen waren allesamt mit uralten Steinen gepflastert und man hatte manchmal den Eindruck, man wäre im Mittelalter gelandet – zumal dann auch noch eine Brigade zum Schutz der Stadtmauer durch die Straßen marschierte. Wir erkundeten zu Fuß zusammen mit unserem Tourguide die Innenstadt und wichtige, interessante Gebäude. Wir haben uns von der großen Gruppe abgesetzt, sind an der Küste spazieren gegangen und haben anschließend der Leuchtturm erklommen. Von dort aus hatte man einen wunderschönen Blick über ganz Colonia. Ich muss jetzt einfach doch noch einmal anmerken, dass wir einfach riesiges Glück mit dem Wetter hatten. Während wir in Colonia waren, war es zwar frisch und ein bisschen windig, aber die Sonne hat die ganze Zeit geschienen (müsste man auf den Bildern eigentlich sehen). Wir schlenderten in Richtung Bus und setzen uns dort noch ein bisschen an den Strand, bis es dann wieder nach Montevideo ins Hotel ging.

Abends waren wir mit der ganzen Gruppe in einem Restaurant zum sogenannten „Pizza-Rodizio“. Statt mit verschiedenen Sorten Fleisch am Spieß kommt der Kellner einfach mit verschiedenen Pizzen und man kann sich die Sorten auftischen lassen, die man gerne hätte. Wir saßen bis um halb2 morgens im Restaurant und ließen unseren Ausflug nach Uruguay, der für alle viel zu kurz war, noch einmal Revue passieren…

Am nächsten Morgen sind wir wohl alle mit Kopfschmerzen aufgewacht – der eine mehr, der andere weniger…. Es ging schon um halb7 los in Richtung Chuy – eine Stadt direkt auf der Grenze zwischen Brasilien und Uruguay. Nach knapp 5 Stunden Fahrt sind wir dort angekommen. Was Chuy so besonders macht? Dort gibt es Unmengen an „Free Shops“, Läden, in denen man keine Steuern auf Waren bezahlt. Ich habe mir einen JanSport Rucksack für 15€ gekauft und eine Sonnenbrille. Was mich allerdings wirklich gereizt hat – und nun haltet euch fest - war der Amarula, der 5€ die 1 Liter Flasche gekostet hat. Das einzige, was mich davon abhielt, gleich zwei Kisten zu kaufen, war die Tatsache, dass ich das alles einfach nicht mit nach Deutschland transportieren kann… Nachdem wirklich alle mit hunderten Einkaufstüten zum Bus zurückgekehrt waren, aßen wir auf der brasilianischen Seiten Chuys in einem Restaurant zum Mittag und fuhren anschließend zurück nach Novo Hamburgo. Leider kam es während der Rückfahrt noch zu einem Zwischenfall – eine der Mitreisenden hatte extremen Bluthochdruck, ist auf der Toilette in der Raststätte umgefallen und musste ins Krankenhaus. Dort bekam sie eine Infusion und wurde, soweit es eben möglich war, stabilisiert. Und so kam es, dass wir zwei Stunden später, nämlich nachts um halb1, in Novo Hamburgo angekamen als geplant. Glücklicherweise wohnte eine der Mitreisenden (nämlich Rejane) auch in Sapiranga und so hat sie mich nach Hause gebracht.

Rückblickend muss ich einfach sagen, dass dieser Kurztrip nach Uruguay unheimlich toll war und sich mächtig gelohnt hat. Uruguay ist ein wunderschönes Land, dessen Landschaften weit und frei wirken. Montevideo selbst strahlt ein angenehmes Flair mit seinen kolonialistischen Elementen aus und hat mir persönlich ein Gefühl von Sicherheit gegeben.

Ich habe die ganze Zeit nur Portugiesisch gesprochen, da kein anderer sonst Deutsch konnte. Wer sich jetzt allerdings fragt „He, in Uruguay spricht man doch Spanisch – warum hat sie kein Spanisch gesprochen?“, dem muss ich sagen, ich habe es versucht, aber es kam einfach immer nur „porteñol“ aus meinem Mund – eine Mischung aus „português“ und „español“. Ich bin mir sicher, dass mir das dennoch auf sprachlicher Ebene sehr viel gebracht hat. Ich habe mit fast allen Mitreisenden Freundschaft geschlossen – immerhin lag der Altersdurchschnitt zwischen 18 und 53. Ich freue mich schon auf das Nachtreffen, auf dem ich alle wiedersehe und wir die Bilder austauschen können.

Montevideo

Promenade

Ciudad Vieja 

 

Colônia

 

Auf einer Farm mitten in der Pampa

Promenade

1 Kommentar 14.11.07 20:54, kommentieren



Noite do Pijama + Kakerlaken

Kurz nach meiner Rückkehr aus Uruguay, fand am 19. Oktober die „Noite do Pijama“ im Kindergarten statt – die Nacht der Schlafanzüge. Alle Kinder und ein Großteil der Erzieherinnen haben diese Nacht in der Schule verbracht – jedes Jahr ein Highlight für die Kleinen.

Nachdem alle Kinder abends um halb8 nach und nach eingetrudelt waren und ein klein wenig zur Ruhe gekommen sind, wurde ein Schatz gesucht. Die Kinder sind auf dem Kindergartengelände von Ort zu Ort gewandert und haben jeweils einen neuen Hinweis bekommen. Am schönsten für die Kinder war wohl die Tatsache, dass alle ihre Taschenlampe dabei hatten. Es entstand ein kleines Lichtermeer, während die etwa 50 Kinder im Dunkeln auf dem Gelände hin und her spazierten. Der Schatz war eine Kiste mit Süßigkeiten und Leuchtstäbchen in allen erdenklichen Farben.

Danach fand eine Modenschau statt, in der jeder seinen Schlafanzug vorstellen konnte. Jede Gruppe ist einzeln mit der dazugehörigen Erzieherin über den Laufsteg flaniert. Glücklichweise gab es danach Abendessen – ab einem gewissen Punkt sind die Kinder manchmal einfach unkontrollierbar und sie müssen erstmal irgendwie beruhigt werden. Wie immer bestand das Essen aus „Pasteles“ und „Negrinhos“ – eine beliebte Mischung für Kinderfeste und Geburtstage. Ich würde „Pasteles“ als kleine Pasteten bezeichnen, gefüllt mit Hack- oder Hähnchenfleisch oder auch mit Käse und Gewürzen (ziemlich fettige Angelegenheit, da die Pasteten in Fett gebacken werden&hellip. „Negrinhos“ sind kleine Pralinen aus einer Creme aus kondensierter Milch („leite condensado&ldquo – meistens verziert mit kleinen Schokokugeln oder bunten Streuseln. Also, mich kann man damit nicht locken – viel zu süß, aber für die Kleinen ist das der Hit. Nach dem Essen wurden alle Kinder im großen Saal versammelt und das Märchen „Schneewittchen“ wurde von den Erzieherinnen aufgeführt. Anschließend gab es noch einen Disneyfilm und danach ging es ins Bettchen. Allerdings hatte ich das Gefühl, ich war müder als die Kinder und so kam es, dass ich mich auf meine Kindermatratze (50cm zu kurz) legte und eingeschlafen bin, während die Kinder lange noch nicht ans Schlafen dachten und eine kleine Tanzparty veranstalteten. Nachts bin ich aufgewacht, weil Paula halb in meinem Bett lag – mit ihren Beinen in meinem Gesicht (fragt mich nicht, wie es dazu kam, aber ich habe festgestellt: mit Kindern in einem Raum oder auch in Bett zu schlafen, ist wirklich total anstrengend).

Tja, und dann musste ich doch auch glatt noch aufs Klo und machte meine ersten Begegnungen mit den „Cachorros“ – ich glaube, das sind eine Art Grillen. Ich war ja so was von schnell wieder in meinem Bett… Ach, und wo wir gerade bei ekligen Viechern sind: Meine ersten Begegnungen mit Kakerlaken sind natürlich auch nicht ausgeblieben… Ich glaube, die erste war relativ früh am Anfang im Bad – allerdings war die Kakerlake glücklicherweise schon tot. Aber danach… also, das war so: Ich saß abends in meinem Bett und habe den Unterricht vorbereitet, als auf einmal eine riesige Kakerlake die Wand hoch krabbelte. In diesem Moment kam sie mir ja noch viel größer vor, als sie eigentlich war und ich starrte das Vieh erstmal einige Zeit wie paralysiert an. Plötzlich bin ich aufgesprungen und habe Gerti gerufen – die hat ja Gift gegen so was. Sie besprühte die Kakerlake mit Gift und ab da fing die Jagd leider erst richtig an… Das Vieh wollte einfach nicht tot gehen und versteckte sich doch glatt hinter dem Schrank. Ich dachte ja zunächst sie würde dort verrecken, aber sobald das Licht aus war, konnte ich sie krabbeln hören – und so wartete ich ab, bis sie aus ihrem Versteck herauskommen würde, um sie dann mit dem Flip Flop zu erschlagen. Ja, und so war das dann auch – nach gut 1,5 Stunden Warten. Am nächste Morgen bin ich schweißgebadet aufgewacht und absolut übermüdet – so viel dazu… und das Schlimmste: Ich werde mich daran gewöhnen müssen, jetzt wo der Sommer kommt und es durchschnittlich 30°C werden sollen…

 Und übrigens: Probst Blümel hatte vollkommen recht damit, wenn er sagt, dass man im Ausland sein Heimatland mit anderen Augen sieht und zu schätzen lernt à allein die Tatsache, dass ich in Deutschland noch nie mit einer Kakerlaken konfrontiert wurde, ist ein Grund Deutschland zu verehren!! J

Wo war ich stehen geblieben? So, nach einer anstrengenden Nacht mit Kinderfüßchen in meinem Gesicht wurden wir um 6Uhr geweckt und es gab Frühstück. Die Kinder wurden um 7Uhr abgeholt, ich half noch beim Aufräumen und wurde anschließend heim gebracht, wie mein Bettchen schon auf mich wartete…

An diesem Samstag (20.10) habe ich dann auch das erste Mal meine Familie über die WebCam gesehen – was bin ich froh, dass es so was gibt!!! Zumal an diesem Samstag ja auch noch die ganze Familie wegen Mamas Geburtstag im Adlerring versammelt war. Wie die Oma sagte: „Jetzt müsste man sich nur noch in den Arm nehmen können!“ 

Bis bald hoffentlich!

Eure Karina

15.11.07 00:06, kommentieren

Presidente Lucena + Nova Petrópolis

Am 28. Oktober wurde ich von Roane und Ellio zum Mittagessen eingeladen. Roane arbeitet auch im Kindergarten – allerdings nur morgens und so sehen wir uns selten. Ich schätze die beiden auf etwa 55 Jahre und sie haben auch schon zwei erwachsene Kinder – Felipe und Sinara. Felipe ist Tierarzt und hat eine kleine Tierklinik in Sapiranga, während Sinara als Designerin in der Schuhbranche (und die ist in dieser Region sehr ausgeprägt) arbeitet.

Roane rief mich als diesem Sonntag also spontan an und lud mich zum Essen ein. Vollkommen überrascht, habe ich mich schnell in Schale geschmissen und wurde kurz darauf abgeholt. Lustigerweise hatte ich die Kamera nicht im Gepäck, sodass wir kurz vor Novo Hamburgo noch einmal umgedreht sind, um sie zu holen. (Woher sollte ich denn auch wissen, dass das eine große Tour wird?!)

Dann endlich ging es richtig los – durch die Berge nach Presidente Lucena, eine kleine Stadt mitten im Tal. Und wie sollte es anders sein, gingen wir ins „Dheinhaus“, ein deutsches Restaurant. Schon von weitem hörte man eine kleine Band mit Blechblasinstrumenten Volksmusik spielen und überall hingen kleine deutsche Flaggen. Typisch für Brasilien, gab es auch hier Buffet, allerdings waren die „deutschesten“ Beilagen nur das Sauerkraut und Spätzle. Man kann sich das so vorstellen: Die deutschen Immigranten kam vor gut 150 Jahren nach Brasilien und seitdem hat sich an der damaligen Kultur nicht viel geändert – „deutsch“ sind hier eingelegte Eier, Radieschen (stinken erbärmlich) und Gurken, gekochter Rindermagen bzw. -darm und trockener Kuchen („cuca&ldquo

So ist zum Beispiel der Kühlschrank ein „Eisschrank“ und das Flugzeug ein „Luftschiff“. Immerhin wurden Kühlschränke und Flugzeuge ja auch erst nach der Auswanderung nach Brasilien erfunden – und so musste die deutschen Auswanderer sich erstmal neue Wörter für diese Dinge ausdenken.

Das Essen war wirklich sehr lecker – ich glaube, ich habe das ganze Sauerkraut und Spätzle ganz allein geplündert… Zum Nachtisch gab es allerdings wieder etwas ganz Brasilianisches – Sago, gekocht in Wein mit Vanille-Sauce. Ich habe mir vorgenommen diese Süßspeise mehr in Deutschland zu verbreiten. Ich finde, dass man wirklich etwas verpasst hat, wenn man das nicht kennt!     

Im Restaurant hörte man aus allen Richtungen jemanden Deutsch sprechen – allerdings wie überall mit einem gewöhnungsbedürftigen „Hunsrück-Dialekt“.

Nachdem wir fertig waren, gab es eine Rundfahrt durch Presidente Lucena – wie immer, um sich alte deutsche Häuser anzuschauen. Die Häuser waren allesamt Fachwerkhäuser und schon mindestens 120 Jahre alt. Grundsätzlich wird hier versucht, diese Häuser zu schützen und restaurieren, aber oft fehlt einfach das Geld.

Danach ging es noch tiefer in Berge nach Nova Petrópolis, auch eine von Immigranten gegründete Stadt. In dieser Stadt gibt es einen "Einwanderer-Park" - einen großes Gelände, auf dem viele gut erhaltene Fachwerkhäuser stehen, die von den deutschen Immigranten gebaut wurden. Dazu gab es noch einen Handarbeitsmarkt und viele Ausstellungen mit Gegenständen der damaligen Zeit. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie die deutschen Einwanderer vor 150 Jahren hier im Süden Brasiliens angekommen sind, tief hinein in die Berge wanderten und dort ihre Häuschen bauten. Immerhin gab es zu dieser Zeit noch gar keine Straßen. Die Fachwerkhäuser könnten auch in Deutschland stehen und keiner würde merken, dass sie in Brasilien gebaut wurden.

Und wieder einmal war ich auf der Suche nach deutschen Spuren im Süden Brasilien..

Ha, aber wer glaubt, ich würde mich damit zufrieden geben, der hat sich getäuscht! Morgen abend fliege ich für drei Tage nach Salvador da Bahia und anschließend bleibe ich 5 Tage in Belo Horizonte! Beides Städte weiter nördlich und somit wenig angehaucht vom europäischen Einfluss. Endlich werde ich das Brasilien kennenlernen, wie ich es mir vorgestellt habe...

Tut mir übrigens wirklich sehr Leid, dass ich so unregelmäßig und selten in meinen Blog schreibe. Der Bericht über Uruguay wird noch beendet und danach kommen noch weitere Einträge hinzu. Spätestens, wenn ich aus Belo Horizonte wieder da bin...

Ich sende euch die sonnigsten Grüße,

eure Karina

1 Kommentar 15.11.07 00:35, kommentieren

Gramado & Canela

Während ich mit Roane und Ellio in Nova Petrópolis unterwegs war, haben sie mich für das folgende Wochenende zum Campen im Touristenort Gramado eingeladen.

Am Donnerstag, dem ersten November war, wie in Deutschland auch, Allerheiligen und alle hatten deswegen am Freitag frei. Ich war Donnerstagvormittag noch im Kindergarten, wurde nachmittags von Roane abgeholt und fuhren anschließend mit einem riesigen Wohnmobil (10m), wie man sie eigentlich nur aus den USA kennt, nach Gramado – auch ein Einwandererstädtchen mitten in den Bergen, diesmal aber etwas weiter nördlich von Sapiranga. Das Wetter wurde mit steigender Höhe auch immer schlechter. Es regnete aus Eimern und die Temperaturen sanken auf gute 8°C. Der Wald war mit dichten Nebelschwaden bedeckt, ich dachte, jeden Moment würde eine Horde Gorillas über die Straße laufen, aber Affen gibt es hier so gut wie gar keine mehr.. Nur eine sehr kleine Art, allerdings mit riesigen Stimmbändern (dazu später mehr).

Nach gut einerthalb Stunden sind wir in Gramado angekommen und haben das Wohnmobil gleich in die richtige Stellung gebracht (am Eingang des Campingplatzes natürlich, wo man alles am besten beobachten kann). Als erstes wurde Wasser heiß gemacht, sich vor das Wohnmobil gesetzt und „Chimarrão“ getrunken (was auch sonst?). Ich zog mir erstmal meinen dicken Pullover an, der Wind war wirklich eisig. Wie gut, dass man mir vorher noch gesagt hatte, dass es in den Bergen grundsätzlich immer noch 5°C kälter sind als im Tal.

Am Abend bekamen wir Besuch von Freunden, die italienische Vorfahren haben. Es wurde ein lustiger Abend mit gutem Essen (natürlich im Wohnmobilofen gemacht) und spannendem Kartenspiel. Ich bin relativ früh ins Bett, beziehungsweise in meine Kajüte, gegangen - ich war wirklich müde. Wer weiß, wie lange die anderen noch in der Küche saßen…

Ich schätze in der Nacht waren es draußen bestimmt nicht mehr als 4°C. Was war ich froh, dass Roane mir nachts noch eine zweite Decke gebracht hat – sonst wäre ich doch glatt erfroren. Inzwischen denken die meisten deswegen, ich wäre ja gar keine richtige Deutsche, denn in Deutschland würde es doch noch viel kälter sein als in Brasilien… Ja, richtig, aber in Deutschland gibt´s ja auch überall Heizungen, nicht wahr?!

Am nächsten Morgen haben wir alle relativ lange geschlafen. Ich bin so um halb10 aufgewacht und habe mich gleich unter die lustige, beengende Wohnmobildusche geschmissen. Das war jedes Mal ein Abenteuer sich darunter zu stellen – man konnte nie wissen, ob das Wasser heiß bleiben würde, oder plötzlich kalt wird.

Unsere italienischen Freunde kamen vorbei und hatten die Idee, wir könnten doch zum Mittagessen ins Zentrum von Gramado fahren und so machten wir uns um halb1 mit dem Auto auf den Weg. Die Innenstadt von Gramado ist sehr schön, sauber und vor allen Dingen extrem teuer. Alles in dieser Stadt ist auf Tourismus ausgerichtet, einige Häuser erinnern an Bayern und den Tirol. Die Brasilianer gehen davon aus, dass Gramado sehr europäisch sei, allerdings hat es mich im Allgemeinen eher an so kleine Orte mitten in den Rocky Mountains (USA) erinnert…

Wir gingen in ein „italienisch-deutsches“ Restaurant, aber wie immer gab es Büfett. In dem Restaurant hingen viele Bilder von deutschen Städten, unter anderem von Celle (was mich ja schon ein bisschen stolz gemacht hat, ne?)

Nach dem Essen sind wir noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert und haben ein paar Bilder geknipst. Es zog mich in einen wunderschönen Laden, versteckt in einer Nebenstraße. Dort gab es alles, was man sich vorstellen konnte – Einrichtungsgegenstände, Unterwäsche, CDs… aber alles eben unheimlich schön und bunt, und eben leider unheimlich teuer… Das einzige, was ich mir „leisten“ konnte,  war eine kleine Tüte, die mir die Verkäuferin aufgrund meines „niederschmetternden Charmes“ an der Kasse schenkte. Wir schauten uns noch ein paar Weihnachtsläden an, die man in Gramado ohne Ende finden kann. Soweit ich das richtig verstanden habe, wird in einem Großteil dieser Weihnachtsläden sogar das ganze Jahr Weihnachtsdekoration verkauft.

Nachmittags bin ich mit den italienischen Freunden (wie ihr sicherlich schon bemerkt habt,… ich weiß einfach nicht mehr, wie sie hießen&hellip noch mal in die Innenstadt gefahren, um Brot zu kaufen. In einem Park steht eine große Scheune, in der verschiedene Brot-, Kuchen- und Kekssorten in Feueröfen gebacken werden. Das Brot war einfach das Beste, was ich bisher in Brasilien gegessen habe…

Abendbrot gab es dann im „Wohnwagen-Palast“ von den italienischen Freunden. Während Roane und Ellio nach dem Essen mit den italienischen Freunden Karten spielten, setze ich mich vor den Fernseher (ja, natürlich braucht man auf dem Campingplatz Fernseher und wenn es geht, bitte noch Privatfernsehen!) und schaute mir den Film „Forrest Gump“ auf Englisch mit portugiesischen Untertiteln an. Kennt ihr das eigentlich auch, wenn man einen Film mehrere Male sieht, dann fallen einem viele Dinge auf, die man vorher nie bemerkt hat. An diesem Abend hatte ich mehrere sogenannte „AHA-Erlebnisse“…

Am nächsten Morgen standen wir alle relativ früh auf – Sinara, die Tochter von Roane und Ellio,  und eine ihrer Freundinnen wurden morgens um 9 Uhr erwartet. Die Mädels kamen mit dem Auto und kurz nach ihrer Ankunft haben wir uns gleich aufgemacht, die Umgebung zu erkunden. Glücklicherweise hatte sich das Wetter gebessert und die Sonne schien ohne Ende. Zu viert fuhren wir nach Canela, eine Stadt ähnlich wie Gramado und gleich nebenan, und besuchten dort den „Parque do Caracol“ mit einem 131m hohen Wasserfall, dem sog. „Cascada do Caracol“. Ich war schwer beeindruckt von den hinabstürzenden Wassermassen, zumal es auch die letzten zwei Wochen ständig geregnet hatte und es viel Wasser zum Hinabstürzen gab. Mutigerweise entschieden wir uns die knapp 900 Stufen hinab zum Fuß des Wasserfalls hinab zu steigen...

3 Kommentare 28.11.07 12:36, kommentieren