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Bericht Belo Horizonte

So, tadaaa, da bin ich wieder.

Ihr Lieben, mir ist in der letzen Zeit einfach klar geworden, dass ich nicht der "Schreib-Typ", sondern viel mehr der "Erzähl-Typ" bin. Ich schaffe es schlicht und ergreifend nicht regelmässig in meinen Blog zu schreiben, aber dafür freue ich mich schon riesig darauf, wenn ich euch meine ganzen Erlebnisse live erzählen kann.   
Trotzdem versuche ich euch den letzten Monat in Brasilien noch auf dem Laufenden zu halten.

Nach meinem Bericht über Salvador, kommt jetzt der zweite Teil meiner Reise nach Belo Horizonte. Nachdem wir, also die anderen Freiwilligen und ich, vier Tage in Salvador verbracht haben, sind wir Sonntagabend mit dem Bus nach Belo Horizonte gefahren.  Es war einfach unglaublich wie sich die vorbeifliegende Landschaft innerhalb dieser 24-Stunden-Fahrt veränderte. Während im Bundesstaat Bahia die Landschaft trocken, staubig und wenig grün zu sehen war, wurde es in Richtung Belo Horizonte immer grüner. An diejenigen, die das Busfahren verabscheuen: So schlimm ist das Busfahren wirklich nicht und gleichzeitig kann man viele verschiedene Facetten eines Landes in so kurzer Zeit sehen. Also, fahrt mehr Bus!!!

So, nachdem wir also Montagnachmittag nach 24 Stunden in Belo Horizonte angekommen waren, war ich erstmal schwer beeindruckt über die Grösse dieser Stadt (im Vergleich dazu ist Sapiranga ein "Kuhkaff". Ich würde diese Stadt schon als eine Metropole bezeichnen. Wir sind mit dem öffentlichen Nahverkehr dann zur Wohnung gefahren, in der die zwei Mädels mit einer weiteren Freiwilligen zusammen wohnen. Der Rest des Tages war eigentlich weitesgehend gelaufen, denn wir waren alle ziemlich geschafft von der langen Fahrt.

Der Grund, warum ich noch mit nach Belo Horizonte gefahren bin, war hauptsächlich der, dass ich die Projekte der anderen Freiwilligen kennenlernen wollte. Schon auf dem Seminar Anfang November fand ich die Institutionen der anderen Freiwilligen sehr interessant. Am nächsten Morgen bin ich also mit zwei der Mädels in die Favela gegangen, in der sie in eine Art Beschäftigungsstätte für Kinder und Jugendliche arbeiten. Mir war die ganze Zeit etwas mulmig zumute, als ich so durch die Favela spazierte. Ich hätte wirklich gerne ein paar Bilder gemacht, um euch mal die Lebensumstände dieser Menschen zu zeigen, aber ich wäre mir vorgekommen wie ein sog. "Favela-Tourist". Die Mädels haben mir später die Bilder gegeben, die sie bereits von ihrer Arbeit gemacht haben, aber mit meiner grossen Kamera durch die Favela zu spazieren, war einfach wirklich nicht empfehlenswert.
Angekommen beim Hort, bin ich eigentlich nur wegen meiner blonden Haare aufgefallen. Sonst wollte niemand etwas von mir wissen. Das war allerdings auch einmal eine interessante Erfahrung, denn in Sapiranga werde ich von allen immer Löcher in den Bauch gefragt. Auf jeden Fall habe ich den ganzen Tag versucht möglichst wenig aufzufallen, aber dafür alles, was ich sehe, in meinem Kopf zu speichern. Die Kinder haben in dieser Beschäftigungsstätte die Möglichkeit, Capoeira, Hip Hop und Percussions zu lernen, sie malen, basteln und spielen. Je nachdem, ob die Kinder morgens oder nachmittags in der Schule sind, verbringen sie den anderen Teil des Tages dort. Die kleinen Kinder waren sehr interessiert an meinen blonden Haaren und ich liess sie sie kämmen und frisieren. Eines der Mädchen nahm mich an die Hand und sie nahm mich mit zum Percussionsunterricht. Die Kinder probten auf einem kleinen Platz etwas unterhalb des Gebäudes und von dort aus hatte man einen Überblick über die Ausmasse der Favela (die Häuser sind an Abhängen der Berge gebaut und es ist alles relativ steil).
Obwohl ich eigentlich ein bisschen Angst vor Läusen hatte, hat mir dieser relativ enge Kontakt mit den Kindern sehr gefallen. Mir ist im Laufe des Tages aufgefallen, dass diese Kinder anders sind, als die Kinder, mit denen ich arbeite. Sie haben andere Ansprüche, andere Bedürfnisse, sind dafür allerdings oft grober und aggressiver; für mich waren sie sehr schwer einschätzbar.
Ich weiss nicht, wie es ist in solch armen und einfachen Verhältnissen zu leben und es ist auch unmöglich, sich so etwas vorstellen zu können. Als wir nachmittags dann wieder in der Wohnung ankamen, war mir, als sei ich in einer anderen Welt gelandet. Nach nur etwa 25min Fussweg, landest du wieder im Zentrum von Belo Horizonte und wohnst in einer schönen 4-Zimmer-Wohnung. Naja, so sehr ich das auch versuche zu beschreiben, ich glaube, ihr könnt euch das einfach nicht vorstellen...

Ich schreib bald (lieber einen eher schwammige Zeitpunkt schreiben, denn "morgen" wäre zu genau und zu bindend... *hihi* ) weiter!

Wir schreiben uns!

KUSSI, KARINA

3 Kommentare 10.1.07 13:47, kommentieren