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Noite do Pijama + Kakerlaken

Kurz nach meiner Rückkehr aus Uruguay, fand am 19. Oktober die „Noite do Pijama“ im Kindergarten statt – die Nacht der Schlafanzüge. Alle Kinder und ein Großteil der Erzieherinnen haben diese Nacht in der Schule verbracht – jedes Jahr ein Highlight für die Kleinen.

Nachdem alle Kinder abends um halb8 nach und nach eingetrudelt waren und ein klein wenig zur Ruhe gekommen sind, wurde ein Schatz gesucht. Die Kinder sind auf dem Kindergartengelände von Ort zu Ort gewandert und haben jeweils einen neuen Hinweis bekommen. Am schönsten für die Kinder war wohl die Tatsache, dass alle ihre Taschenlampe dabei hatten. Es entstand ein kleines Lichtermeer, während die etwa 50 Kinder im Dunkeln auf dem Gelände hin und her spazierten. Der Schatz war eine Kiste mit Süßigkeiten und Leuchtstäbchen in allen erdenklichen Farben.

Danach fand eine Modenschau statt, in der jeder seinen Schlafanzug vorstellen konnte. Jede Gruppe ist einzeln mit der dazugehörigen Erzieherin über den Laufsteg flaniert. Glücklichweise gab es danach Abendessen – ab einem gewissen Punkt sind die Kinder manchmal einfach unkontrollierbar und sie müssen erstmal irgendwie beruhigt werden. Wie immer bestand das Essen aus „Pasteles“ und „Negrinhos“ – eine beliebte Mischung für Kinderfeste und Geburtstage. Ich würde „Pasteles“ als kleine Pasteten bezeichnen, gefüllt mit Hack- oder Hähnchenfleisch oder auch mit Käse und Gewürzen (ziemlich fettige Angelegenheit, da die Pasteten in Fett gebacken werden&hellip. „Negrinhos“ sind kleine Pralinen aus einer Creme aus kondensierter Milch („leite condensado&ldquo – meistens verziert mit kleinen Schokokugeln oder bunten Streuseln. Also, mich kann man damit nicht locken – viel zu süß, aber für die Kleinen ist das der Hit. Nach dem Essen wurden alle Kinder im großen Saal versammelt und das Märchen „Schneewittchen“ wurde von den Erzieherinnen aufgeführt. Anschließend gab es noch einen Disneyfilm und danach ging es ins Bettchen. Allerdings hatte ich das Gefühl, ich war müder als die Kinder und so kam es, dass ich mich auf meine Kindermatratze (50cm zu kurz) legte und eingeschlafen bin, während die Kinder lange noch nicht ans Schlafen dachten und eine kleine Tanzparty veranstalteten. Nachts bin ich aufgewacht, weil Paula halb in meinem Bett lag – mit ihren Beinen in meinem Gesicht (fragt mich nicht, wie es dazu kam, aber ich habe festgestellt: mit Kindern in einem Raum oder auch in Bett zu schlafen, ist wirklich total anstrengend).

Tja, und dann musste ich doch auch glatt noch aufs Klo und machte meine ersten Begegnungen mit den „Cachorros“ – ich glaube, das sind eine Art Grillen. Ich war ja so was von schnell wieder in meinem Bett… Ach, und wo wir gerade bei ekligen Viechern sind: Meine ersten Begegnungen mit Kakerlaken sind natürlich auch nicht ausgeblieben… Ich glaube, die erste war relativ früh am Anfang im Bad – allerdings war die Kakerlake glücklicherweise schon tot. Aber danach… also, das war so: Ich saß abends in meinem Bett und habe den Unterricht vorbereitet, als auf einmal eine riesige Kakerlake die Wand hoch krabbelte. In diesem Moment kam sie mir ja noch viel größer vor, als sie eigentlich war und ich starrte das Vieh erstmal einige Zeit wie paralysiert an. Plötzlich bin ich aufgesprungen und habe Gerti gerufen – die hat ja Gift gegen so was. Sie besprühte die Kakerlake mit Gift und ab da fing die Jagd leider erst richtig an… Das Vieh wollte einfach nicht tot gehen und versteckte sich doch glatt hinter dem Schrank. Ich dachte ja zunächst sie würde dort verrecken, aber sobald das Licht aus war, konnte ich sie krabbeln hören – und so wartete ich ab, bis sie aus ihrem Versteck herauskommen würde, um sie dann mit dem Flip Flop zu erschlagen. Ja, und so war das dann auch – nach gut 1,5 Stunden Warten. Am nächste Morgen bin ich schweißgebadet aufgewacht und absolut übermüdet – so viel dazu… und das Schlimmste: Ich werde mich daran gewöhnen müssen, jetzt wo der Sommer kommt und es durchschnittlich 30°C werden sollen…

 Und übrigens: Probst Blümel hatte vollkommen recht damit, wenn er sagt, dass man im Ausland sein Heimatland mit anderen Augen sieht und zu schätzen lernt à allein die Tatsache, dass ich in Deutschland noch nie mit einer Kakerlaken konfrontiert wurde, ist ein Grund Deutschland zu verehren!! J

Wo war ich stehen geblieben? So, nach einer anstrengenden Nacht mit Kinderfüßchen in meinem Gesicht wurden wir um 6Uhr geweckt und es gab Frühstück. Die Kinder wurden um 7Uhr abgeholt, ich half noch beim Aufräumen und wurde anschließend heim gebracht, wie mein Bettchen schon auf mich wartete…

An diesem Samstag (20.10) habe ich dann auch das erste Mal meine Familie über die WebCam gesehen – was bin ich froh, dass es so was gibt!!! Zumal an diesem Samstag ja auch noch die ganze Familie wegen Mamas Geburtstag im Adlerring versammelt war. Wie die Oma sagte: „Jetzt müsste man sich nur noch in den Arm nehmen können!“ 

Bis bald hoffentlich!

Eure Karina

15.11.07 00:06, kommentieren

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Uruguay

Huhu ihr Lieben!

Nach Ewigkeiten komme ich endlich mal wieder dazu, etwas in meinen Blog zu schreiben.

Ich war vor kurzem 4 Tage in Uruguay - ich habe ja schon in einem früheren Eintrag davon berichtet, dass ich vor habe mit der Feevale nach Uruguay zu fahren.

Wir sind am 11.Oktober abends um halb11 von Novo Hamburgo losgefahren - so einen komfortablen Bus habe ich selbst in Deutschland noch nicht gesehen. Zwischen den Sitzen war so viel Platz - man konnte fast richtig liegen. Nachdem wir etwa 8 Stunden gefahren sind, waren wir in Chuy und haben dort Frühstück bekommen. Logischweise gab es Dorade (= gebackenes Brot mit Käse und Schinken) und Kaffee; das bekommt man hier eigentlich so gut wie überall. Immer noch müde von der hinter uns liegenden Nachtfahrt, ging es weiter nach Punta del Este, eine Touristenstadt ganz im Süden von Uruguay. Wunderschön am Meer gelegen, gibt es dort viele schöne und teure Hotels, Apartments, Seebäder etc. Das Wetter war leider viel zu schlecht, um das Ganze richtig geniessen zu können. In Punta del Este haben wir dann auch Mittag gegessen. Unglaublich was für Berge an Essen man in Uruguay bekommt. Da legt man nicht alles nebeneinander auf den Teller, sondern einfach aufeinander.

Mit einem Tourguide haben wir die Stadt erkundet, haben durch die mit Regentropfen besprenkelten Fenster leider kaum etwas gesehen, und sind anschliessend in einem 5-Stern-Hotel abgesteigen, um mal zu sehen, wie wohl die Society in Uruguay ihren Urlaub verbringt. Es gab ein Casino und eine Hall of Fame (unter anderem mit Bilder von Juanes oder auch Shakira). Mich hat das ganze jetzt nicht so vom Hocker gehauen - ich frage mich, warum man sich wohl ein Hotel und ein Casino in seinem Urlaub anguckt. Aber gut, es war ja eine "Studienreise"..

Danach sind wir weiter nach Montevideo zum Staatspalast gefahren. Ein wunderschönes Gebäude, erinnert fast an ein Schloss. Die Inneneinrichtung besteht hauptsächlich aus Marmor, die Räume sind schön und edel eingerichtet. Wir haben den Saal der Senatoren, der Abgeordneten und auch die Staatsbibliothek besucht - schick, schick. Überall waren Gemälde von Offizieren und Männern in Uniformen. Eigentlich kann man sich das so vorstellen, dass das Militär eine sehr wichtige Stellung in Uruguay einnimmt. Vieles ist auf General Artigas ausgerichtet, sozusagen "Der Befreier der Nation" im Unabhängigkeitskampf. Man findet überall Gemälde, Statuen und auch unzählige Strassen und Plätze sind nach ihm benannt. Mitten in der Altstadt gibt des den "Placa de la Independencia" (=Platz der Unabhängigkeit), unter der man eine Gruft besuchen kann, in der die Überreste Artigas in einer Urne liegen und sein Lebensweg an den Wänden beschrieben ist. Komische Sache...

Danach ging es ab ins Hotel. Wir haben all unsere Koffer auf unsere Zimmer gebracht, alles nötige geregelt und sind anschliessend auf Entdeckungstour gegangen. Ich war die meiste Zeit mit Daniela, Pretinho (=Schwarzerchen) und Pamela (meiner Zimmernachbarin) zusammen, aber im Laufe der Zeit hat man sich wirklich mit allen angefreundet. Ich habe mit dem Grossteil der Teilnehmer auch jetzt noch guten Kontakt per E-mail und Handy.

Naja, ich schweife ab,... auf jeden Fall bin ich gleich erstmal in einen Buchladen gestürmt. Ich meine, wo ein grosses Schild mit "50% Rabbat" zu sehen ist, da bin auch ich zu finden, gelle? Da habe ich mir dann gleich erstmal zwei spanische Bücher gekauft, wobei ich allerdings grosse Schwierigkeiten hatte, mich mit dem Verkäufer zu verständigen, weil mein Spanisch einfach total durcheinander ist. Ich spreche im Moment eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch. Um wirklich nur eine Sprache zu sprechen, muss ich mich unheimlich anstrengen. Ich werde das einfach mal trainieren müssen - ich meine, sieben Jahre Spanischunterricht können ja nicht einfach davon geflogen sein, oder?

Am Abend waren wir alle ganz schön müde - ich bin aufs Zimmer gegangen und habe den Fernseher voll ausgenutzt - Navy CIS, Friends, King of Queens, MTV... und alles auf Englisch mit spanischen Untertiteln. Hui, das hat echt Spass gemacht und Gibbs ist ja noch viel sexier, wenn er Englisch spricht, Mama!!! 

Am nächsten Morgen sind wir um halb8 aufgestanden - das Frühstück war wirklich gut, ich konnte mich zumindest nicht beschweren... aaaaallerdings... *g* .. sind die Brötchen aus Deutschland einfach schlicht und ergreifend nicht so toppen... Wir haben unsere Rundfahrt durch Montevideo gestartet und haben zunächst den Handwerksmarkt (Artesanato) und die Rambla besucht. Viel Handwerkliches hat man dort allerdings nicht gefunden – dafür Fische, Frösche, Kleidung, Schuhe und Spielzeug. Danach ging es weiter zum alten Teil von Montevideo, der sogenannten „Ciudad Vieja“. Mittelpunkt ist der „Plaza da la Independencia“, unter dem die Überreste von General Artigas liegen (siehe oben). Von dort haben wir die umliegenden Straßen und Gebäude erkundet, wobei es mich gleich in einen CD-Laden in einer kleinen Ecke verschlug, wo ich doch gleich einmal eine CD kaufen musste – natürlich uruguayanischer Tango… Auf einem kleinen Platz neben der Kirche „Matriz“, dem ersten öffentlichen Gebäude, das in Montevideo gebaut wurde, war ein kleiner Flohmarkt, auf dem die Leute alte, sehr interessante Sachen verkauften.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Mittagessen zum „Mercado del Puerto“, eine riesige Markthalle mit vielen Restaurants und kleinen Läden. Das Gebäude hat kolonialistischen Stil – inmitten der Halle steht eine große Uhr, wie man sie eigentlich nur aus England kennt. Überall sieht man Köche vor ihren großen Grillen stehen – sie machen „Parrilla“ – und alles duftet wunderbar nach Essen. Durch die Menschenmassen, dem Feuer für den Grill und den vielen Restaurants herrscht eine schwere, warme Luft in der Halle – was Daniela, Julianna, Pretinho, Pamela und mich aber nicht davon abhält und auf die Suche nach einem guten Restaurant zu machen… Tja, und wie das einmal so sein muss, sind wir ausgerechnet an das wahrscheinlich Schlechteste geraten… Glücklichweise kenne ich mich inzwischen schon gut genug, was fremdes, unbekanntes Essen angeht und ich bestellte einfach ein paar Nudeln, während die anderen vier sich auf die „Spezialität des Hauses“ einließen… mehrere Sorten Fleisch in einer Pfanne ohne nichts… einfach nur Fleisch. Wir alle hatten das Gefühl, da müsste eigentlich etwas schief gelaufen sein, denn die Kellnerin, die die Gäste ins Restaurant lockte, hatte doch etwas von Gemüse und Kartoffeln gesagt… naja, da haben sie sich eben noch einen Teller Kartoffelbrei bestellt – ein Häufchen vielleicht! Aber wie gesagt, mir haben meine Tortellinis á la Carbonara geschmeckt… J

Vor der Markthalle fand ein kleiner Markt statt, auf dem auch einige Straßenkünstler versammelt waren. Und so kam es, dass ich doch glatt die erste halbnackte Sambatänzerin in Uruguay und nicht in Brasilien gesehen habe!!!

Am Nachmittag haben wir mit unserem Tourguide weitere Stadtteile und sehenswerte Orte von Montevideo erkundet. Unter anderem eine große Allee gesäumt von Palmen, um die sich Sage hegt, dass dort nachts die Prostituierten auf ihre Freier warten würden und das jede Prostituierte ihre eigene Palme hätte. Nun, aber es wurde betont, nur eine Sage!

Später fuhren wir in das berühmte Einkaufszentrum „Punta Carretas“, wo grundsätzlich alles gefühlte 20% teurer ist… Das einzige, was wir uns leisten konnten, war ein Eis und so kam es, dass wir relativ schnell wieder zum Bus gegangen sind, um dort auf die anderen zu warten. Es ist immer wieder interessant und schockierend, den großen Unterschied zwischen Arm und Reich zu sehen. Das Einkaufszentrum ist wunderschön gestaltet, sehr modern, überall glänzend und sauber und wenn man es verlässt, sieht man arme Menschen vor heruntergekommen Gebäuden sitzen…

Am Abend hatten wir kein Programm und wir haben uns um 21Uhr in einer größeren Gruppe in der Hotellobby getroffen, um in ein Restaurant zu gehen. Viele sind nach dem Essen schon zum Hotel zurückgekehrt, aber ich fuhr noch mit Daniel, Morgana und Daniela mit dem Taxi zur „Cuidad Vieja“, wo die meisten Bars und Discos zu finden sind. Wir gingen in eine Disco, die von außen recht spannend aussah. Der Eintritt lag bei 70 Pesos (~ 1€ = 30 Peso), wobei 40 Pesos für ein Getränk zur Verfügung standen. Komischerweise waren inmitten der Tanzfläche viele Tische aufgebaut – dabei war es schon 23Uhr. Wir stellten fest, dass die Disco inkl. Musik selbst erst um halb2 morgens anfangen sollte, bis dahin war die Disco nur ein Restaurant. Da wir schon gegessen hatten, entschieden wir, erst einmal in eine Bar zu gehen und danach wieder zu kommen. Wir machten uns auf die Suche und glücklicherweise trafen wir unterwegs einen großen Teil unserer Gruppe in einer Bar sitzen und gesellten uns dazu. Die anderen entschieden, mit uns in die Disco zu gehen und es wurde eine wirklich witzige Nacht. Wenn wir nicht am nächsten Morgen um halb8 hätten aufstehen müssen, wären wir sicherlich noch länger als halb4 geblieben…

Am nächsten Morgen ging es nach Colonia del Sacramento. Diese Stadt liegt etwa 2 Stunden Busfahrt von Montevideo entfernt. Kennzeichnend ist die Bundesstraße, die nach Colonia führt – sie ist gesäumt von vielen hunderten Palmen. Mitten in der Pampa - ein paar Kilometer vor der Stadt - haben wir eine Ranch besucht. Der Inhaber dieser Ranch besitzt die größte Bleistiftsammlung auf der ganzen Welt, womit er auch ins Guinessbuch der Rekorde gekommen ist. Interessanterweise scheint die ganze Familie dem „Sammelwahn“ verfallen zu sein und so konnte man in dem kleinen Museum nicht nur Bleistifte finden, sondern auch Schlüsselanhänger, Parfumflakons, Blechdosen… Wir aßen Mittag auf der Ranch, also praktisch an der Quelle für gutes Fleisch, und schauten uns danach noch die Umgebung an. Es schien als wäre die Ranch das einzige Gebäude in den Weiten der Pampas und die Landschaft strahlte eine sehr angenehme Ruhe aus. Es war schön, sich einfach mal ins Gras zu setzen, still zu sein und den leichten Wind auf der Haut zu spüren. Leider, wie es meistens bei Gruppenreisen ist, waren die Termine immer sehr eng gesteckt und es ging relativ schnell weiter.

Nun ging es weiter ins Zentrum von Colonia. Colonia wurde in Zeiten der Kolonisation abwechselnd von Spaniern und Portugiesen „hin- und hererobert“, sodass man dort viele Kennzeichen beider Kulturen findet. So sind einige Häuser beispielsweise teils spanisch, teils portugiesisch. Man konnte genau sehen, in welcher Epoche welches Volk wohlhabender war.  Die Straßen waren allesamt mit uralten Steinen gepflastert und man hatte manchmal den Eindruck, man wäre im Mittelalter gelandet – zumal dann auch noch eine Brigade zum Schutz der Stadtmauer durch die Straßen marschierte. Wir erkundeten zu Fuß zusammen mit unserem Tourguide die Innenstadt und wichtige, interessante Gebäude. Wir haben uns von der großen Gruppe abgesetzt, sind an der Küste spazieren gegangen und haben anschließend der Leuchtturm erklommen. Von dort aus hatte man einen wunderschönen Blick über ganz Colonia. Ich muss jetzt einfach doch noch einmal anmerken, dass wir einfach riesiges Glück mit dem Wetter hatten. Während wir in Colonia waren, war es zwar frisch und ein bisschen windig, aber die Sonne hat die ganze Zeit geschienen (müsste man auf den Bildern eigentlich sehen). Wir schlenderten in Richtung Bus und setzen uns dort noch ein bisschen an den Strand, bis es dann wieder nach Montevideo ins Hotel ging.

Abends waren wir mit der ganzen Gruppe in einem Restaurant zum sogenannten „Pizza-Rodizio“. Statt mit verschiedenen Sorten Fleisch am Spieß kommt der Kellner einfach mit verschiedenen Pizzen und man kann sich die Sorten auftischen lassen, die man gerne hätte. Wir saßen bis um halb2 morgens im Restaurant und ließen unseren Ausflug nach Uruguay, der für alle viel zu kurz war, noch einmal Revue passieren…

Am nächsten Morgen sind wir wohl alle mit Kopfschmerzen aufgewacht – der eine mehr, der andere weniger…. Es ging schon um halb7 los in Richtung Chuy – eine Stadt direkt auf der Grenze zwischen Brasilien und Uruguay. Nach knapp 5 Stunden Fahrt sind wir dort angekommen. Was Chuy so besonders macht? Dort gibt es Unmengen an „Free Shops“, Läden, in denen man keine Steuern auf Waren bezahlt. Ich habe mir einen JanSport Rucksack für 15€ gekauft und eine Sonnenbrille. Was mich allerdings wirklich gereizt hat – und nun haltet euch fest - war der Amarula, der 5€ die 1 Liter Flasche gekostet hat. Das einzige, was mich davon abhielt, gleich zwei Kisten zu kaufen, war die Tatsache, dass ich das alles einfach nicht mit nach Deutschland transportieren kann… Nachdem wirklich alle mit hunderten Einkaufstüten zum Bus zurückgekehrt waren, aßen wir auf der brasilianischen Seiten Chuys in einem Restaurant zum Mittag und fuhren anschließend zurück nach Novo Hamburgo. Leider kam es während der Rückfahrt noch zu einem Zwischenfall – eine der Mitreisenden hatte extremen Bluthochdruck, ist auf der Toilette in der Raststätte umgefallen und musste ins Krankenhaus. Dort bekam sie eine Infusion und wurde, soweit es eben möglich war, stabilisiert. Und so kam es, dass wir zwei Stunden später, nämlich nachts um halb1, in Novo Hamburgo angekamen als geplant. Glücklicherweise wohnte eine der Mitreisenden (nämlich Rejane) auch in Sapiranga und so hat sie mich nach Hause gebracht.

Rückblickend muss ich einfach sagen, dass dieser Kurztrip nach Uruguay unheimlich toll war und sich mächtig gelohnt hat. Uruguay ist ein wunderschönes Land, dessen Landschaften weit und frei wirken. Montevideo selbst strahlt ein angenehmes Flair mit seinen kolonialistischen Elementen aus und hat mir persönlich ein Gefühl von Sicherheit gegeben.

Ich habe die ganze Zeit nur Portugiesisch gesprochen, da kein anderer sonst Deutsch konnte. Wer sich jetzt allerdings fragt „He, in Uruguay spricht man doch Spanisch – warum hat sie kein Spanisch gesprochen?“, dem muss ich sagen, ich habe es versucht, aber es kam einfach immer nur „porteñol“ aus meinem Mund – eine Mischung aus „português“ und „español“. Ich bin mir sicher, dass mir das dennoch auf sprachlicher Ebene sehr viel gebracht hat. Ich habe mit fast allen Mitreisenden Freundschaft geschlossen – immerhin lag der Altersdurchschnitt zwischen 18 und 53. Ich freue mich schon auf das Nachtreffen, auf dem ich alle wiedersehe und wir die Bilder austauschen können.

Montevideo

Promenade

Ciudad Vieja 

 

Colônia

 

Auf einer Farm mitten in der Pampa

Promenade

1 Kommentar 14.11.07 20:54, kommentieren

Kulturschock

Oi!  

Sodala, nach kurzem und schmerzlosem grippalen Infekt und einer stressigen Woche bin ich wieder voll da!! Ich hoffe, ihr habt nicht sehnsüchtig auf einen neuen Eintrag gewartet...  

Ich gehe ja davon aus, dass ich wegen dem total verrückten Wetter hier in Brasilien krank geworden bin. Der tägliche Wechsel zwischen 35 und 15 Grad, dazu 5 Tage durchgängig Gewitter, hat mich ganz schön umgehauen. Daran kann man sich einfach nicht gewöhnen. Wie sagt man in Deutschland - "Das kommt auf keine Kuhhaut" - oder so...  Auf jeden Fall war der Arztbesuch eine Erfahrung wert, denn die Zustände in dieser Praxis waren eigentlich absolut inakzeptabel, die Untersuchungsräume spartanisch eingerichtet, nur ein Schreibtisch, ein Stuhl und eine Liege für den Patienten. Die Leute haben in Flur gewartet, zum Sitzen waren zwei Bänke da. Interessanterweise sassen im Anmeldungsraum vier Arzthelferinnen, von denen die eine sich die Nägel feilte und die andere ihre Füsse auf den Tisch legte. Es warteten ungefähr 20 Leute darauf aufgerufen zu werden; ich dachte, Nelci und ich würden 2 Stunden dort warten, bis ich dran käme, aber die Leute wurden im Eilverfahren behandelt. "Was hast du?","Okay, hier dein Medikament, Tschüss!"....  So kam es, dass ich nach knapp 30 Minuten mit "Anna Karina" aufgerufen wurde. Nun, trotz dieser Verhältnisse, konnte der junge, sympathische Arzt Englisch sprechen, was die ganze Sache unheimlich erleichterte. Er bat mich, nicht zu glauben, dass die medizinische Versorgung in ganz Brasilien so wäre, wie in dieser kleinen Praxis und versicherte mir, dass ich in der am schlechtesten organisierten Arztpraxis gelandet wäre, in der er jemals behandelt hat. Ich muss allerdings dazu sagen, dass die medizinische Behandlung vom Staat bezahlt wird. Ich habe noch nichts von Krankenversicherung gehört, es gibt lediglich Privatversicherungen. Das heisst, auch die armen Leute können zum Arzt gehen und ich musste auch nichts bezahlen. Nach gut zwei Tagen war ich auch schon wieder auf den Beinen und konnte wieder zur Arbeit gehen.

Ich habe mir aus Deutschland ein Buch über den Kulturschock in Brasilien mitgenommen, das ich zur Zeit aufmerksam lese. Ich vergleiche und frage die Leute, ob die Behauptungen in diesem Buch auch der Wahrheit entsprechen würden. Interessanterweise sind das oft nur "regionale" Wahrheiten. Hier ein Beispiel: Der Autor schreibt, dass man in Brasilien zu Weihnachten Dorsch essen würde; das wäre von den Portugiesen übernommen worden, die das Land kolonialisierten. Ich hatte schon richtig Angst, das Weihnachtsfest würde sich deswegen für mich als grosse Mutprobe herausstellen, allerdings weiss hier unten im Süden keiner was davon. Hier gibt es Truthahn. Und ich bin erleichtert und glücklich! Man muss einfach sagen, dass Brasilien so verdammt gross ist, dass es extreme regionale Unterschiede aufweist. Und ich bin, wie ihr sicherlich an den Bildern sehen konntet, in die europäischste gekommen... Ich glaube, diese Menge an Informationen passt einfach nicht in ein Buch. Es wäre sicherlich einfacher über jede der fünf Regionen ein Buch zu schreiben, oder das Land einfach gleich in fünf Länder zu teilen, dann wäre die Sache mit der Politik, Wirtschaft, Kontrolle der Gesetze, Korruption usw. sicherlich auch einfacher zu handhaben...

Naja, wie dem auch sei, stehen in diesem Buch auch, wie ich finde, für die Brasilianer erdrückende Tatsachen. Als ich hier angekommen bin, habe ich mir gedacht: "Naja, ich will versuchen mich alle zwei Tage zu duschen, damit ich nicht so viel Wasser verschwende. Ist ja schliesslich teuer, ne?"       (Ich glaube, ich werde hier in Brasilien noch zur Umweltretterin und zum Öko-Freak, wo ich doch als "weltgrösste Konsummuschi" bekannt bin. (Ach, was würde ich mich jetzt gerne in meinen Golf V setzen und die Strassen von Brasilien erkunden!!))  Naja, schon nach etwa vier Tagen hatte ich langsam das Gefühl, Gerti denkt, ich wasche mich nicht genug und wäre unsauber. Von da an habe ich mich auch jeden Tag geduscht, wie ich das ja Deutschland auch mache. Dann habe ich bemerkt, dass Gerti fast jeden Tag zweimal Wäsche wäscht und zweimal duscht. Mein Gott, was für eine Wasserverschwendung! Zumal auch die Waschmaschine nie voll ist! Und das steht eben auch in diesem Buch, dass die Brasilianer einen extremen Sauberkeitsfimmel haben.             Man muss sich nur mal vorstellen, man bezahlt hier für Wasser eine Pauschale von etwa 27 Real (~10 Euro) im Monat und kann so viel Wasser verbauchen, wie man möchte. (Nun, es gibt schon ein bestimmtes Kontingent,aber das ist einfach so riesig, das man es selten ganz ausschöpft, obwohl man sich dreimal am Tag duscht...) Die Leute sagen, so lange das Wasser fliesst, wird sich auch keiner darum sorgen und anfangen sparsamer damit umzugehen. Eignetlich ganz schïn schlimm, oder?

Apropos, Golf V. Dem bin ich hier in Brasilien noch nie begegnet. Die Autos von Volkswagen, die hier gebaut werden, kennt wahrscheinlich keiner in Deutschland. Lediglich die Leute, die sich dafür interessieren oder damit zu tun haben. Hier gibt es zwar den Fox, den Bora oder auch den Jetta, aber wer hat schon was von Space Fox, Logus oder Parati gehört? Also, ich nicht, bevor ich nach Brasilien gekommen bin.

Übrigens, wer sich mal über den Kulturschock im Allgemeinen informieren möchte, der sollte mal auf diese Seite gehen:  http://painted-art.de/emailprojekt-daz/kulturschock.htm. Besonders die Kulturschockmodelle sind sehr anschaulich und leicht zu verstehen. Fragt mich aber bitte nicht, in welcher Phase ich mich wohl gerade befinde. Ich weiss es nämlich nicht. Ich habe mich noch nicht in einer der Phasen erwischt, aber man muss ja auch nicht zwangsläufig einen so starken Kulturschock haben... Ich glaube, ich bin so wie immer.

Letzte Woche habe ich endlich all meine Deutschgruppen kennengelernt. Ich habe jeweils mittwochs und freitags zwei Gruppen mit Kindern zwischen 5 und 11. Es ist so unglaublich schön mit ihnen zu arbeiten. Obwohl ich mit allen das gleiche mache, ist es mit jeder Gruppe anders.       Zunächst habe ich mit ihnen Namensschilder gebastelt. Manche Kinder können noch nicht lesen und schreiben, ihnen helfe ich dann immer. Wir haben einen Kreis gebildet und einen Ball hin- und hergeworfen. Derjenige, der ihn gefangen hat, musste sagen: "Ich heisse ..., wie heisst du?" Ich hätte nicht gedacht, dass sie die Aussprache für die Kleinen als so schwierig herausstellen würde. Das "ch"  und das "h" am Anfang eines Wortes sind so gut wie unmöglich. Da muss ich mir nochmal was ausdenken, um das zu üben.                    Anschliessend haben wir gelernt, "como saudar em alemâo" (wie man sich auf Deutsch begrüsst) und danach "como despedir-se em alemâo" (wie man sich auf Deutsch verabschiedet).  Und wie sollte es anders sein, habe ich mit den Kindern zum Schluss "Alle meine Entchen" gesungen.  Die Kinder nehmen die Worte und Lieder auf wie ein Schwamm, ich hoffe, dass sie auch die nächsten Stunden so interessiert bleiben.  

Dass ich schon nach dieser einen Deutsch-Stunde eine gute Beziehung zu ihnen habe, wurde mit am Sonntagmorgen klar, als ich mit Gerti zum Gottesdienst gegangen bin. Ich habe den ganzen Gottesdienst nur ein paar Wörter verstanden und wäre fast eingeschlafen, aber als es vorbei war, kamen so etwa fünf Kinder, die ich vom Unterricht kenne, auf mich zugerannt und haben mich mit voller Kraft umarmt. Zudem lernte ich noch ihre Eltern kennen, die mich herzlich begrüssten. Das macht wirklich Mut, man weiss ja nicht, ob die Kinder "Gruselgeschichte über die schreckliche Deutschlehrerin" erzählen.  {Emoic(thumbsup)}  Hihi, ich finde diesen Gedanken zum Schiessen komisch. Ich bin doch keine Lehrerin, aber die Kinder nennen mich trotzdem "profe" (Abkürzung von profesora = Lehrerin). Es läuft also alles sehr, sehr gut und diese Arbeit füllt mich total aus, sie macht mich sehr glücklich. Ich weiss nicht, ob ich das so sagen darf, aber sie füllt mich mehr aus, als im Kindergarten auf die Kinder und William aufzupassen... Da ist nur halb so viel Action!

So, ich mache mich jetzt auf den Weg. Ich möchte meiner geliebten Omi noch schnell eine E-mail schreiben.

Also, gehabt euch wohl!!!

EURE KARINA

4 Kommentare 2.10.07 17:49, kommentieren

Bilder

So ihr Lieben, hier nun die Bilder in übersichtlicher Form. Es sind auch ein paar neue Fotos dabei. Da der Speicherplatz  auf dieser Seite nicht sehr gross ist , sind die Bilder relativ klein. Wer sie länger betracheten möchte, speichert sie am besten auf dem eigenen Computer. Es werden immer mal welche gelöscht und neue dazu kommen. Viele Grüsse, Karina

Gastfamilie

Gerti und Almiro

 

"Pink Panter"                                                   

 

Schule                         

Meine Gruppe mit Erzieherin Daniela

                                                 

William

 

                                            

Brasilianische Kultur

Eddie Murphy als Gaúcho                                                                                                

Strasse und Fusca (=VW-Käfer)                       

2 Kommentare 27.9.07 18:29, kommentieren

These

Meine These über Gastfreundschaft in Brasilien hat doch einen negativeren Anschein, als ich ihn eigentlich erwecken wollte. Deswegen wird das Ganze doch noch einmal ausgebuddelt und erläutert. Denn sicherlich wurde ich zu diesem Zeitpunkt sehr von Heimweh geplagt, da sieht man viele Dinge noch schlechter, als sie in Wahrheit sind...

Ich bin sehr glücklich hier und ich habe schon sehr viele nette Menschen kennengelernt. Sicherlich sind einige feste Freunde, andere wollen einfach einmal "eine Deutsche' kennen. Leider ist es im Moment noch etwas schwierig, das zu unterscheiden, aber mit der Zeit wird sich das zeigen. Ist ja normal so!                                                     

Sehr gute Freunde sind Mateus und seine Eltern Anelise und Enrique. Sie haben mich vor kurzem spontan zum Pizza essen eingeladen und das war einfach ein wunderbarer Abend.

Der Pizzaiolo (=Inhaber der Pizzeria) ist sehr sympatisch und vernarrt in "Fuscas"  (=VW-Käfer). Er hat fast geheult, als ich ihm gesagt habe, dass ich aus Wolfsburg komme. Der Abend war auf jeden Fall sehr schön und anschliessend wir haben noch ein bisschen zusammen getanzt.... Ich werde öfters dort essen gehen, aber nicht, dass ihr denkt, ich wäre in den "Pizzaiolo" verknallt, nein... der ist 33 Jahre und hat leider schon 5 Kinder, wobei der Älteste schon 18 ist.. Wer jetzt gut in Mathematik ist (oder auch weniger gut, für Christian), wird sich sicherlich an den Kopf fassen... (Ja, so früh Kinder kriegen ist hier normal!!! Da man in Deutschland ja im Allgemeinen sagt, die Brasilianer wären so gut im Bett, habe ich die Mädels mal so gefragt, und sie meinten, ich müsste mich nicht wundern, dass sie bei der Leidenschaft immer die Kondome vergessen würden... so viel dazu...)

So, ihr Lieben, ich hoffe, es geht euch allen gut und ich sollte vielleicht lernen, nicht alles so engstirnig zu sehen. Das ist vielleicht eine deutsche Characktereigentschaft oder vielleicht einfach nur typisch für mich, ich weiss es nicht... Dann im Endeffekt (Sabine!!!) wird doch alles gut!!

EURE KARINA

PS: BITTE NACH UNTEN SCROLLEN! MEHR BILDER!

2 Kommentare 19.9.07 16:55, kommentieren